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Tokio. Am Tag ihrer Einschulung, im zarten Alter von sechs Jahren, entdeckte Azko ihre große Leidenschaft: Kochen und Backen. Sie begann mit einfachen Dingen rund ums Ei. Spiegelei, Rührei, Omelette, damit begann alles. Das Wirken am Herd war dem Kind in die Wiege gelegt. Azkos sehr musisches Elternhaus pflegte einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Ein offenes Haus, mitten in Tokio zu haben, in dem es heiter und lebendig zugeht war den Iimoris wichtig. Zu diesen, oft sehr spontanen Runden gehörte auch die hochwertige, gastronomische Begleitung, die Azko früh und sehr erfolgreich übernahm. Morgens, in der Schule dachte sie bereits nach, was sie den Gästen am Abend kredenzen könne. Auf dem Heimweg kaufte sie Zutaten, mal frische Himbeeren für eine Tarte, mal feine Schokolade für die Glasur. Ihre Koch- und Backkünste fanden höchsten Anklang. Während im Ofen die Süßspeisen reiften, hantierte das kleine Koch-Genie geschickt mit Pfannen und Töpfen am Herd. „Ich weiß inzwischen, dass ich eine verrückte Kindheit hatte. Verrückt und sehr glücklich“, erinnert sich die kreative Geschäftsfrau heute gerne. Sie nutze jede Möglichkeit ihre Künste zu verfeinern, ob durch Rezepte, die sie leidenschaftlich sammelte und variierte oder durch die Koch- und Backkunst ihrer Nachbarin, einer deutschen Pfarrersfrau, der sie über die Schulter guckte, wann immer Gelegenheit dazu war. Azko backte bald die feinste Donauwelle – und das mitten in Tokio! Deutsche Kuchen beherrschte sie bravourös. Nun kam das nächste Ziel, die französische Patisserie. Das kunstvolle Törtchen ´Opera` (ein Schokotraum) gelang ihr im Alter von zehn Jahren perfekt. Die kommenden Jahre nutzte die Schülerin um Rezepte auszuprobieren, zu perfektionieren, ganz neu zu erfinden. Der spannendste und kreativste Ort war in dieser Zeit die Küche für sie. „Das Schöne ist, ich kann heute, mit Mitte vierzig, auf eine vier Jahrzehnte Back-Koch-Berufserfahrung zurückblicken“, schmunzelt die selbstbewusste Japanerin. Auf eine internationale noch dazu. Gleich nach dem Abitur, mit 19 Jahren, zog es Azko nach Europa. Ihre deutschen, geistlichen Nachbarn halfen und rieten ihr eine Klosterschule in der Nähe von Stuttgart zu besuchen. Was sie auch tat. Innerhalb von zwei Monaten sprach sie deutsch, zwei Jahre später hatte sie ihren Abschluss in Hauswirtschaft und Sozialpädagogik. Am liebsten wäre sie dort geblieben, die Klosterschwestern wurden in dieser Zeit zur zweiten Familie. Aber ihr wurde klar, „Gott hat einen anderen Weg für mich vorbereitet, den ich gehen musste und auch gehen wollte“, erinnert sich Azko Iimori. Sie kehrte vorerst wieder zurück nach Japan, arbeitete mit ihrem Vater eine Weile in dessen Grafikbüro. Sie und ihr Papa ähneln sich sehr, „wir sind beide ein wenig verrückt, das Zusammenarbeiten war nicht immer nur einfach“. Die feinsinnige Mutter spürte das und forderte ihre Tochter auf, ihren eigenen Weg zu finden. So zog sie in die Welt, wieder nach Deutschland, diesmal jedoch nach Frankfurt am Main. „Dort sprechen sie besseres Deutsch, nicht so wie im Schwabenländle. In Frankfurt spricht man Fernsehdeutsch. Und genau das wollte ich können!“ Also machte sie sich mit knapp 25 Jahren auf nach Hessen. „Wenn ich erst mal dort bin, guck ich was ich kann“, ein Lebensmotto das bis heute für die faszinierende Powerfrau gilt. Mit ihren Ersparnissen, ihrer Harfe, die sie virtuos beherrscht („zur Not verdiene ich mein Geld als Straßenmusikerin“), Essstäbchen, einem Kochlöffel und einem Köfferchen zog sie los nach Deutschland. Die möblierte Wohnung war bald gefunden, die Anstellung bei einer Airline ebenso. Drei Jahre später gründete sie eine GmbH, die ihren Namen trägt, die AI ARTS IIMORI Gmbh. Was genau sie damit machen wollte, wusste sie zu dieser Zeit noch nicht, das war für sie nicht entscheidend. Viel wichtiger war: Sie konnte somit den ersten und förmlichen Schritt in die Selbstständigkeit tun. Ein wenig später beschloss sie, ihr Hobby zum Beruf zu machen, gemeinsam mit einem Sushi-Meister, suchte sie nach einem Ort für ein japanisches Restaurant. 1993 eröffnete Azko Iimori ihr erstes Lokal im Frankfurter Westend. Heute hat sie viele Konzepte auf die Beine gestellt, ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau. Alleine hier in Frankfurt sind es fünf Gastronomie-Oasen, die ihren Namen tragen: IIMORI Patisseri, IIMORI Bistro, IIMORI Deli, IIMORI Restaurant und Kamon Sushi. In jedem dieser Läden ist Azko Iimori angenehm präsent, überall spürt man ihre persönliche, unnachahmliche Handschrift. Diese reicht bis nach Paris, wo der sechste iIimori-Sproß zuhause ist: Takara, ein Sushi-Restaurant an der Seine. Einmal im Monat ist Azko für eine knappe Woche vorort in Frankreich, um im nächsten Moment -zurück in Frankfurt- neue Rezepte auszuprobieren. Eine ganz besondere, Energie geladene Erfolgsgeschichte: Von der Autodidaktin aus Tokio zur anerkannten, lebendigen Unternehmerin in Frankfurt am Main. Gleich geblieben über die Jahre ist ihre tiefe Fürsorge für ihre Mitarbeiter. „Meine Leute sind wie meine Familie. Ich habe nur liebenswerte Mitarbeiter und kann ihnen vertrauen“. Sie will ihre Angestellten nicht enttäuschen, das ist ihr Motor, ihr Antrieb. Sie kontrolliert nicht, sie motiviert. „Jeder macht Fehler, damit er es das nächste Mal besser machen kann“. Die meisten ihrer Mitarbeiter haben internationale Wurzeln, sie arbeiten alle viel und oft auch körperlich hart. „Aber sie sind gerne hier. Wenn jemand Probleme hat, kommt er zu mir, ich höre zu und helfe wenn ich kann. Ich bin immer da für meine Leute.“ Sie ist eine „Koch-Back-Lebenskünstlerin“ mit klugem Geschäftssinn und feinen, künstlerischen Talenten, Azko malt so schön wie sie auch Harfe spielen kann. Alles was sie tut, tut sie mit ganzem Herzen, „ich trage so viel Liebe in mir“. Ihr Mann, ein Arzt, der in Frankfurt praktiziert, braucht nur eine gewisse Summe davon. „Den Rest verteile ich gerecht.“ An ihre Familie in Tokio, an ihre Mitarbeiter. Sie begegnet allen Menschen offen und zugewandt. Im Gespräch spürt man sofort ihre tiefe, innere Ruhe und ihre wache und warmherzige Ausstrahlung. Und so wirkt auch ihr Credo: „Hast Du Hunger, komm zu mir!“ Das meint sie ernst. |










Azko Iimori







